Iberg Freeride 2013

24.-25. August 2013, Heilbad Heiligenstadt

Dieses Jahr hat sich einiges getan im deutschen Downhillsektor. Immer mehr motivierte Skater tun sich zusammen und organisieren deutschlandweit Events, die auf nationaler und internationaler Ebene ein großes Fahrerfeld vom Anfänger bis zum erfahrenen Profiskater anziehen. Siehe zum Beispiel die erneute erfolgreiche Durchführung des Häldenrennens, das Fairytale Freerace, der dritte Hamburger Boardercross und der legendäre Almabtrieb.

Die Szene wächst und somit auch die Nachfrage an Freerides und Rennen, was vor allem deutlich wird, wenn nach Anmeldestart alle Plätze für ein Event innerhalb weniger Minuten vergeben sind. So geschehen auch beim ersten I-Berg Freeride, der vom 23. bis 25. August in Heilbad Heiligenstadt in Türingen stattgefunden hat. Neben dem regulären Freeride wurde das Event zusätzlich zur ersten Mitteldeutschen Meisterschaft im Downhillskaten unter der Schirmherrschaft der DLL ausgerufen. Die Erwartungen an das Event und die Vorfreude waren groß.

Raceaction und Freeride am Iberg

Am Freitagabend konnte man das übliche Vorabendritual eines Downhillevents beobachten. Gegen 21 Uhr füllte sich langsam aber sicher der große Zeltplatz. Bullis kamen angetuckert, Seitentüren wurden geöffnet und gaben den Blick auf vollgestopfte Innenräume frei. Nachdem ein Müllsack, Skateboards und leere Bierdosen herausgekullert waren, kletterten immer mehr Menschen aus Fahrzeugen und richteten sich für die kommenden zwei Tage häuslich ein. Wurfzelte flogen durch die Luft und Campingstühle wurden um Feuerschalen platziert. Man begrüßte sich, trank noch mehr Bier und freute sich gemeinsam auf den nächsten Tag. Die Nacht war für einige kürzer, für andere länger. Das ließ sich unter anderem auf die Dorfjugend zurückführen, die im Partyzelt der nahegelegenen Gastronomie bei ordentlich Wumms bis spät in die Nacht feierte. Aber auch auf die kleine aber nicht zu unterschätzende Gruppe der Schotterflechten-Crew (zumindest dem Pappschild am Pavillon nach zu urteilen), die auf der gegenüberliegenden Seite des Zeltplatzes genauso basslastig und ausdauernd dagegen hielt.

Samstag Morgen weckte Team Konstanz den Zeltplatz mit Rainhard Fendrichs Hit „Es lebe der Sport“. Das um 9 Uhr angesetzte Ridersmeeting hatte aufgrund der kurzen Nacht einige Anlaufschwierigkeiten, doch die Leute, die es schon aus ihrem Schlafanzug in die Protection geschafft hatten, konnten gegen 9:30 ihren ersten Run bestreiten.

Der Iberg stellte sich mit nur zwei Kurven schnell als anfängertauglich heraus, aber auch die erfahreneren Skater kamen auf der knapp 2 km langen Strecke auf ihren Geschmack. Zunächst schlängelt sich diese in die erste Kurve, eine Rechtshaarnadel, und nach einem Schussstück geht es mit Fullspeed in eine Linkskurve, die es in sich hat. Ein kleiner, noch in letzter Sekunde verschlossener Krötentunnel sorgte dafür, dass die Hinterachse direkt am Kurvenausgang des öfteren noch einen kleinen Schlenker hinlegte. An den zwei Tagen sorgte diese Unebenheit für einige überraschende Situationen bei den Fahrern. Zudem stellte sich die Linkskurve auch als die heraus, die angebremst werden musste. Vor dem Ziel nahmen die Fahrer nochmal ordentlich Geschwindigkeit auf einer langen Geraden auf und freuten sich nach einem Linksknick über ein lustiges Gadget: etwa 200 Meter vor dem Ziel am linken Straßenrand stand eine Geschwindigkeitsmessanlage, die eigentlich für die Kontrolle der 30-Zone gedacht ist. An diesem Wochenende ermöglichte diese den Skatern allerdings, ihre Geschwindigkeit live angezeigt zu bekommen. Auf welchem Freeride gibt es so etwas schon? Der Zieleinlauf war der steilste Teil der gesamten Strecke, in die die schnellsten Fahrer mit Topgeschwindigkeiten von bis zu 85 km/h angeschossen kamen. Statt gemütlichem Ausrollen war das Beherrschen von Slides und Fußbremse Pflicht, um nicht in der Streckensicherung zu landen.

Geschwindigkeit rausnehmen vor der Linkskurve

Der Samstagvormittag ermöglichte allen Teilnehmern ein erstes Kennenlernen der Strecke und die Shuttles brachten die etwa 100 Fahrer zügig zurück zum Start. An allen kritischen Stellen waren ausreichend Heuballen oder Bigbags positioniert und die Streckenposten zeigten sich als gut eingewiesen. Nach einer Mittagspause, in der aber trotzdem weiter Freeride-Runs gefahren werden konnten, stand die Qualifikation der ersten Mitteldeutschen Meisterschaft an. Mit etwas Verzögerung starteten die ersten von drei Quali-Runs im Race-to-Quali Modus, der sich bereits beim Häldenrennen, Fairytale Freerace in Brevörde und am Almabtrieb bewährt hat. Die Breite der Rennstrecke erlaubte es, sechs Teilnehmer gleichzeitig starten zu lassen, was zu einigem Fußgewirr und Stürzen beim Start führte. Aber auch in der Linkskurve boten die teilweise engen Heats den zahlreichen Zuschauern einige Stürze und spannende Überholmanöver. Für alle, die nicht am Rennen teilnahmen, bestand immer die Möglichkeit, nach den Qualifikationsläufen in sicherem Abstand den Heats zu folgen. Damit kamen alle Fahrer auf ihre Kosten. Am Ende des Tages standen die 64 schnellsten Fahrer fest, die am Sonntag ins KO-System starteten.

Glückliche Gesichter kletterten am Abend aus dem Shuttle, das alle wieder zum zwei Kilometer entfernten Zeltplatz brachte. Das Personal des Forthaus Keller stellte sich dann einer hungrigen und durstigen Horde Skater und versorgte alle mit Wurst, Fleisch, Pommes, Gemüsepfanne und natürlich dem wohlverdienten After-Skate-Bier. Auch für die Party am Abend war gesorgt - die Veranstalter des Freerides hatten für die Party die Crew von Sector 8 engagiert, die zum wilden Herumzappeln der müden Knochen bei Drum'n'Bass einlud.

Sonntag war Renntag...
...und es gab spannende Heats

Am Sonntagmorgen stellten sich Erschöpfungserscheinungen bei den meisten Teilnehmern ein, denn die Nacht geriet wieder etwas kurz. Nachdem Roots-Äxel Dietrich und Rennleiter Rico die Leute vom Zeltplatz aufs Shuttle scheuchten, ging es sofort los mit den ersten Freeride-Runs des Tages. In diesem Punkt war die Organisation wirklich top. Es fiel auf, dass sich alle Fahrer auf die Strecke eingestellt hatten, denn gebremst wurde nur noch in heiklen Situationen. Auch an diesem Tag gab es keine offizielle Mittagspause. Wer skaten wollte, konnte skaten; wer Hunger hatte, setzte einen Run aus. Gegen Mittag startete der 64er Cut des Rennens und jetzt wurde es spannend. Da der Iberg eigentlich als Rennstrecke für Autorennen genutzt wird, ist eine gute Infrastruktur aus Fußpfaden am Straßenrand vorhanden. An der spannendsten Stelle, der Linkskurve, stand ein Bierwagen, der viele Zuschauer und Skater mit Bier und Gegrilltem versorgte. Die Stimmung an der Strecke und im Ziel war dem entsprechend ausgelassen und viele Anwohner aus Heiligenstadt und Umgebung kamen, um sich das Rennen anzuschauen.

Das Rennen

Dieses versprach schon aufgrund der Teilnehmer spannend zu werden, da sich bis auf wenige Ausnahmen die Elite des deutschen Downhillskatens zum Rennen eingefunden hatte. Das Rennen wurde also nicht zum Selbstläufer für die Topfahrer und schon auf dem Weg ins Halbfinale musste unter anderem Oliver Dehmel nach einem Crash, Patrick Aldinger im Fotofinish, Danger Dan und Luca Lessing die Segel streichen. Die Halbfinalheats hatten es dann in sich. Im ersten Halbfinale standen sich Sebastian Hertler, Stefan Kolpatzik, Matthias Ebel und Alex Dehmel gegenüber, im zweiten trafen Fabian Laute, Quirin Illmer, Simon Lang und der vergleichsweise wenig rennerfahrene Burak Duran aufeinander. Im ersten Halbfinale schenkten sich die Fahrer nichts und Hertler und Ebel gingen annähernd gleichzeitig über die Ziellinie. Da sie jedoch beide fürs Finale qualifiziert waren verzichteten sie auf die Auswertung des Zielfotos. Doch auch Kolpatzik und Alex Dehmel kamen nur kurz nach den beiden ins Ziel. Im zweiten Halbfinale konnte sich überraschend Burak Duran vor Fabian Laute durchsetzen, Simon Lang und Quirin Illmer gingen ins kleine Finale.

Das Finale bestand also tatsächlich aus den 3 Mitbewohnern des Steezehauses in Stuttgart und Fabian Laute aus Köln. Würde er eine Chance gegen die 3er-Bande aus Stuttgart haben? Und welcher der aktuell erfolgreichsten deutschen Fahrer, Sebastian Hertler und Matze Ebel würde das Rennen machen? Mit Spannung wurden die Fahrer nach dem letzten Knick auf der Zielgerade erwartet. Doch das Rennen entschied sich schon auf den ersten Metern. Sebastian zögerte kurz beim Start und konnte seinen hellwach agierenden Mitbewohner Matze über den gesamten Streckenverlauf nicht mehr einholen. Dieser schoss mit 81 km/h und ca. 10 Metern Vorsprung vor Sebastian Hertler über die Ziellinie. Kurz hinter Sebastian lieferten sich Fabian und Burak ein Kopf an Kopf-Rennen und auch hier konnte erst das Zielfoto klären, dass tatsächlich Burak als dritter über die Linie ging und somit das Steezehaus-Podium komplettierte! Das hätte so wohl keiner erwartet.

Der spätere Sieger Matze Ebel auf der Strecke...
...und schließlich beim Überqueren der Ziellinie

Damen

Nachdem die überragend fahrende Annemieke Wenting in der zweiten Runde der Open Class ausgeschieden war, konnten die Damen schließlich ihr eigenes Rennen ausfahren. Von den insgesamt 8 Teilnehmerrinnen konnte sich die Gewinnerin des Worldcup-Rennens in Pyragudes, Annemieke, auch im Finale der Mitteldeutschen Meisterschaft der Damen durchsetzen und fuhr souverän den 1. Platz heraus. Spannender war der Kampf um die Platzierungen dahinter. Nachdem alle Verfolgerinnen gestürzt waren, kam die Hamburgerin Marieke Ulrich am schnellsten wieder auf's Brett und konnte sich vor Lilian Gutsch aus Berlin und Nadine Hünemörder aus Düsseldorf Platz zwei bei den Damen sichern.

Junioren

Auch die vier Junioren fuhren ihre Meisterschaft aus. Hier gewann Kalvin Schmidt vor Tim Gassert, Fabian Krebs und Lui Priester.

Wir gratulieren allen Gewinnern und bedanken uns für die spannenden Heats.

Ladies First - das Damenpodium
und die Junioren
Ein großes DANKESCHÖN an alle, die dieses tolle Wochenende ermöglicht haben!

Danke allen Streckenposten, Shuttlefahrern, Organisatoren, Freiwillgen vor Ort! Danke, dass ihr euch Tage und Nächte um die Ohren schlagt, um uns solche Events zu ermöglichen! Wir sehen uns 2014!

Küsschen und Siegeskranz für den frisch gebackenen Mitteldeutschen Meister Matze Ebel...
...und Bierdusche fürs Steezehaus-Podium, speziell für den Überraschungsdritten Burak

Ergebnisse

Herren

1. Matthias Ebel
2. Sebastian Hertler
3. Burak Duran
4. Fabian Laute

Damen

1. Annemieke Wenting
2. Marieke Ulrich
3. Lilian Gutsch
4. Nadine Hünemörder

Junioren

1. Kalvin Schmidt
2. Tim Gessert
3. Fabian Krebs
4. Lui Prieser

Weitere Fotos vom Event gibt es bei Gordonphoto!

Text  

Claudia Lehmann | claudialovesgnar (Blog)
Sebastian Altenhöfer | sa@lbmagaz.in

Fotos  

Gordon Timpen | gordonphoto.org

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