Parkhäuser - Don’t destroy what you’ve come to enjoy!

ACHTUNG: Dieser Artikel soll nicht zu Straftaten aufrufen oder solche fördern. Er dient nur der rechtlichen Orientierung für Skatesessions, die wetterbedingt in ein Parkhaus/eine Tiefgarage verlegt werden. Wollt ihr solche Scherereien umgehen, tretet Eurem lokalen Longboardverein bei und unterstützt ihn bei der Suche oder Durchsetzung eines Winterquartiers für Longboarder.

"Zweitleben" Alexander Willhöft mit Steeze bevor der Begriff überhaupt erfunden wurde.

Die Saison neigt sich dem Ende zu. Während Einige die letzten Sonnenstrahlen unter freiem Himmel nutzen, müssen wir uns damit abfinden, dass Regen und Laub oder sogar Schnee und Streusalz uns langsam aber sicher den Spaß an unserem liebsten Hobby nehmen werden. Zeit also sich nach Alternativen zur Straße umzuschauen, wenn man sein Brett im Winter nicht an den Nagel hängen möchte. Je nach Möglichkeiten vor Ort verlegt so manche eine Community ihre Rollrunden in Parkhäuser. Höchste Zeit also für eine Einführung in  den Verhaltenskodex für diese Betongebilde, die Herbst und Winter retten können.

In den meisten Großstädten gibt es eine Vielzahl an Parkhäusern, in kleineren Gemeinden muss man mit dem vorliebnehmen, was vorhanden ist. Aber wie sieht das ideale Parkhaus zum Longboarden aus? In seiner schieren Verzweiflung ist man als Longboarder bereit viele Kompromisse einzugehen, um überhaupt skaten zu können. Da geraten schlechter Untergrund, zugige Parkdecks und fehlende Aufzüge schnell zur verschmerzbaren Nebensache. Wichtig ist, dass es in dem Parkhaus mindestens eine Ebene gibt, in der kaum bis idealerweise keine Autos stehen. Aus keinem Parkhaus fliegt man schneller raus, als aus einem Parkhaus, in dem sich die Parkenden (zu Recht) Sorgen machen, dass ein herrenlos umherschießendes Deck den Lack ihres geliebten Autos zerkratzen könnte. Leere Parkdecks findet man z.B. nach Ladenschluss oder sonntags in Parkhäusern von Einkaufszentren, schwedischen Möbelhäusern oder Gewerbegebieten. Optimalerweise besitzt das Parkhaus mehrere leere Ebenen, die durch Abfahrten verbunden sind, einen Fahrstuhl, um wieder auf die oberste Parkebene zu kommen, und ist, wenn es richtig luxuriös sein soll, beheizt und mit Toiletten ausgestattet. Einen großen Bogen sollte man um Parkhäuser machen, bei denen man schon von weitem das Wachhäuschen am Eingang sieht oder auf jeder Ebene Videokameras installiert sind.

Parkhäuser sind in den meisten Fällen noch sensibler als Spots unter freiem Himmel. Das liegt unter anderem daran, dass Parkhäuser nicht zum öffentlichen Verkehrsraum gehören und oft in privater Hand sind. Darüber hinaus ist die Zahl der Parkhäuser begrenzt und die Wahrscheinlichkeit einen Spot wie ein Parkhaus zu verbrennen steigt, je öfter er frequentiert wird.

Sicher ist sicher...
... ein Helm ist im Parkhaus immer gut.

Wann geht man also ins Parkhaus?

Draußen ist es trocken? Es liegt nichts auf der Straße, was Deinen Rollen im Weg sein könnte? Die Temperaturen lassen noch keine Eiszapfenbildung Deines Barts zu und der Fahrtwind ringt Dir nur wenige Tränen ab? Dann bleib auf der Straße! Das Parkhaus ist ein Zufluchtsort für Tage und Wochen, in denen das Fahren auf der Straße unmöglich ist. Wer nur aus Spaß an der Freude mehrmals die Woche ins Parkhaus geht, riskiert dabei rausgeschmissen zu werden und darüber hinaus den Spot für alle anderen Skater zu verbrennen.

Kompliziert wird es in Parkhäusern dann, wenn es draußen in Strömen regnet oder schneit. Zwar ist ein Parkhaus überdacht, es muss aber nur ein Auto mit nassen Reifen durch das Parkhaus fahren und schon hat man mehrere nasse Spuren auf dem Untergrund, auf denen man sofort den Grip verliert. Je stärker es draußen stürmt, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass es ins Parkhaus hineinregnet und es drinnen nicht besser als draußen ist.

Das Wetter schreit nach Parkhaus, aber Du weißt nicht, was Du im Parkhaus fahren sollst? Wir können Dich beruhigen: Normalerweise kannst Du im Parkhaus auch das Setup nutzen, das Du normalerweise fährst. Nachdenken solltest Du auf jeden Fall über Protection: Viele Parkhäuser verwenden Estrich als Untergrund. Estrich bietet zwar viel Grip, in nassem Zustand oder mit einer feinen Staubschicht bedeckt, ist der Grip aber schnell Geschichte. Estrich verhält sich bei einem Sturz wie Schmirgelpapier, auch wenn er noch so glatt aussieht. Solltest Du Abfahrten im Parkhaus angehen wollen, solltest Du außerdem einen Helm tragen.

Um die Unfallgefahr zu minimieren fährt man schlauerweise in und nicht entgegen der Fahrtrichtung runter. Generell solltet ihr im Parkhaus immer so umsichtig fahren, dass sich niemand verletzt. Wenn sich jemand schwer verletzt, versucht den Verletzten soweit zu stabilisieren, dass ihr außerhalb des Parkhauses auf den Krankenwagen warten könnt, was auch versicherungstechnisch interessant ist, da z.B. ein Unfallversicherungsschutz nicht greift, wenn der Verletzte einer zusätzlichen Gefahr erliegt, der er sich freiwillig ausgesetzt hat.

Verletzungen bleiben auch in einem Parkhaus nicht aus.

Die erste Regel des Parkhaus-Skatens lautet: Errege so wenig Aufsehen im Parkhaus wie möglich!

Dazu gehört, dass der Spot immer sauber hinterlassen wird. Müll, leere Flaschen und Zigarettenkippen sind wieder mitzunehmen oder in den Mülleimern zu entsorgen. Wenn ihr unbedingt mal austreten müsst, nehmt das ruhig wörtlich und tretet aus, bevor ihr aus dem obersten Parkdeck Sprühnebel auf Passanten niedergehen lasst. Besonders bei viel Nachbarschaft empfiehlt es sich Lärm zu vermeiden. Also lasst Eure Bluetooth-Lautsprecher zuhause und spart Euch das Gegröle für das Fußballstadion. Müssen wir erwähnen, dass Graffitis und Sticker kleben dumme Ideen sind?Du fragst Dich warum wir Dir diese ganzen Richtlinien um die Ohren hauen und warum es diesen Artikel überhaupt gibt? Ganz einfach: Das Skaten im Parkhaus ist illegal. In fast jedem Parkhaus verstößt das Skaten gegen die Hausordnung und stellt eine widerrechtliche Nutzung von fremdem Eigentum dar. Nein, es bringt nichts, wenn Du Dir ein Parkticket ziehst und auch nichts, wenn Du danach nur auf Deiner Standfläche hin und herrollst: Ein Parkhaus ist ausschließlich für Kraftfahrzeuge gedacht. Da viele Parkhäuser mindestens mit einem Wächter arbeiten, der regelmäßig nach dem Rechten schaut, ist es wichtig eine Entrance- und Exit-Strategie zu haben: Sucht Euch einen Eingang, der nicht überwacht und wenig exponiert ist. Die meisten Parkhäuser haben neben dem Haupteingang noch seitliche Eingänge. Besonders wenn ihr mit mehreren Leuten auftaucht, fallt ihr so weniger auf. Noch wichtiger: Sucht Euch Fluchtrouten. Wenn es plötzlich ernst wird, ist nichts unnötiger als ein Haufen Skater, die ineinander skaten und verkeilt liegenbleiben, weil keiner weiß wohin er flüchten soll. Je mehr Fluchtrouten, desto besser.

Was passiert, wenn ein Parkwächter auftaucht?

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, was ein Parkwächter macht und was seine Befugnisse sind. Ein Parkwächter ist eine ganz normale Privatperson, die von der Betreibergesellschaft eines Parkhauses angestellt wurde, um in einem Parkhaus nach dem Rechten zu sehen. Er hat also keine polizeilichen Befugnisse, wie fälschlicherweise oft angenommen wird. Dementsprechend hat er, auch in Dienstbekleidung, kein Recht Euch festzunehmen, Personalien aufzunehmen oder ähnliche Eingriffe in Eure Rechte auszuüben. ABER: Trifft Euch der Parkwächter in „seinem“ Parkhaus an, kann und wird sich der Parkwächter auf sein sogenanntes Jedermann-Festnahme-Recht berufen. Das Jedermann-Festnahme-Recht gewährt jedermann das Recht auf Festnahme einer Person, soweit er den Täter auf frischer Tat ertappt.

Mit Leder und Fullface im Parkhaus? Gideon macht's vor.

Das unbefugte Betreten eines Parkhauses erfüllt den Tatbestand des Hausfriedensbruchs, da in ein befriedetes Besitztum eines anderen eingedrungen wird. Moment mal, denkt sich da vielleicht der ein oder andere, ich bin doch gar nicht eingedrungen, alles war offen und zugänglich? Eindringen umfasst aber nicht nur die Überwindung von Sicherheitsmaßnahmen, die ein unbefugtes Betreten  verhindern sollen, sondern auch das bewusste Ignorieren rein psychisch-sozialer Barrieren, wie z.B. das Aushängen der Hausordnung, die das Skaten verbietet und den entgegenstehenden Willen des Betreibers ausdrückt. Dazu gehört auch das Erfordernis eines Parkscheins zum Parken eines Kraftfahrzeugs.

Mit dem Skaten in einem Parkhaus bewegt ihr Euch also in aller Regel im Bereich einer Straftat und eröffnet dem Parkwächter damit die Möglichkeit sein Jedermann-Festnahme-Recht als Erfüllungsgehilfe des Eigentümers durchzusetzen, das bedeutet konkret: Er darf Euch festhalten, um Eure Identität festzustellen. Er darf sogar im Rahmen der Verhältnismäßigkeit Gewalt einsetzen, um Euch an der Flucht zu hindern. Solltet ihr also Eure Beine und Rollen nicht schnell genug in die Hand genommen haben, gilt es Ruhe zu bewahren und vor allem höflich zu sein. Die meisten Parkwächter waren auch mal jung und lassen Euch mit einer Verwarnung davonkommen, wenn ihr hoch und heilig versprecht nie wieder zu kommen und Euch für das Skaten in seinem Parkhaus entschuldigt. Auf keinen Fall solltet ihr die Stimme erheben oder sogar Gewalt anwenden. Wenn das alles nicht hilft, müsst ihr in den sauren Apfel beißen und Euch ausweisen.

Normalerweise erhaltet ihr nach ein bis zwei Wochen Post von der Betreibergesellschaft des Parkhauses mit einer Unterlassungserklärung, die ihr unterschrieben zurücksenden sollt(et). Meistens verpflichtet ihr Euch damit dann eine Vertragsstrafe zu zahlen, solltet ihr das Parkhaus wieder betreten. Die Abgabe dieser Erklärung ist (noch) nicht strafrechtlich relevant. Bei einem erneuten Verstoß sollte man mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs rechnen, an der die Betreibergesellschaft anfangs noch kein großes Interesse hat. Nach Abgabe der Erklärung gilt es also die Füße still zu halten oder zumindest an seiner Fluchtroutine zu  arbeiten

Packruns im Winter? Im Parkhaus kein Problem!
An Slides und Grimassen lässt sich im Winter auch gut arbeiten.

Was tun, wenn die Polizei kommt?

Das Hinzuziehen von Polizeikräften kann man dann umgehen, wenn man sich höflich und kooperativ zeigt. Erst, wenn der Parkwächter mit Euch nicht klar kommt, weil ihr aggressiv auftretet, er Eure Personalien nicht bekommt oder im Wiederholungsfall, wird er zum Hörer greifen und die Helfer in blau anrufen. Soweit solltet ihr es nicht kommen lassen! Versucht die Angelegenheit so elegant wie möglich ohne Polizei über die Bühne zu bekommen. Zwar ist Hausfriedensbruch ein Antragsdelikt, die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich ein Strafantrag gestellt wird, steigt aber deutlich, wenn die Polizei erst mal vor Ort ist. Sind die Beamten da, gilt das Gleiche wie beim Parkwächter auch: Höflich bleiben und kooperieren. Die Flucht vor Polizeibeamten ist zwar nicht strafbar, es ist bloß eine noch schlechtere Idee als beim Parkwächter. Während der Parkwächter nur seinen Job macht und sich dabei höchstwahrscheinlich so wenig wie möglich die Hände schmutzig machen geschweige denn seinen Kopf hinhalten will, hat ein Polizeibeamter ein Interesse daran in seinem Protokoll nicht vermerken zu müssen, dass ihm die Täter alle davongelaufen sind, als er die Personalien feststellen wollte.

Was lernen wir daraus? Parkhäuser sind äußerst sensible Spots. Hier ist es noch wichtiger den Spot sauber und ordentlich zu halten, als beim gemeinen Spot unter freiem Himmel. Solltet ihr Euch bei unerwünschtem Besuch nicht schnell genug aus dem Staub machen können, bleibt höflich und kooperiert.

Parkhaus-Session einer Hamburger Rollrunde.

Text  

Thomas Giang | tg@lbmagaz.in

Fotos  

Gordon Timpen | Gordon Photo
Thomas Giang | tg@lbmagaz.in
Markus Plavsa

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