Review: Sunrise Gummies

WARNUNG: Am Ende dieses Reviews kannst Du das Wort “Gummi(e)s” nicht mehr hören. Da haben in Punkto Wortspielchen “These Wheels” ihre Spuren hinterlassen. “Welche Gummis hast du drin?” “Gummies!” “Ja, welche?” “Gummies.”

Gummies? Ja, Gummies! Wie sollte man seine Lenkgummis auch nennen, wenn in der selben Familie die Achsen “Bolzen” und die Rollen “Walzen” heißen. Der Mann dahinter ist mal wieder Heiko Schöller, vielen bekannt als Mr. ConcreteWave Cologne.

Aber braucht es noch mehr Lenkgummis am Markt, besteht wirklich Bedarf? In den letzten Jahren war die Entwicklung in diesem Bereich rasant. Es kommen regelmäßig neue Bauformen heraus, viele Hersteller haben zudem unterschiedliche Urethanmischungen im Angebot. Wer da nicht fündig wird, dem ist auch nicht zu helfen. Oder doch? Gibt es die Nische zwischen Riptide, Venom, Blood Orange und Sabre, in der die Sunrise Gummies ihre Existenzberechtigung haben? Wir haben die neuen Teile ausführlich getestet.

Aus- und angepackt

Die Gummies gibt es erstmal in zwei klassischen Bauformen, nämlich als Cone und als Barrel. Als Härtegrade sind 75A (blau), 80A (orange), 85A (gelb), 90A (grün), 95A (pink) im Angebot. Die Farbtöne kommen in erfrischender 90er-Jahre Neonoptik und heben sich dadurch optisch von den Mitbewerbern ab, wenn man in der Lenkgummikiste wühlt. Die Höhe von 15 mm mit einem Durchmesser von 25 mm erlaubt den Einsatz in allen üblichen Reverse-Kingpin-Achsen. Der Preis von 5,90 EUR pro Paar, rund zwei Euro weniger als die Mitbewerber, ist eine echte Kampfansage. Abgepackt sind sie als “Double Barrel”, “Barrel Cone” und “Double Cone”.

Die Gummies werden in Europa produziert. Dabei wird ein anderes Polymerisationsverfahren eingesetzt, als es in den Staaten üblich ist, wodurch sie sich in der Hand härter anfühlen als vergleichbare Lenkgummis und langlebiger sein sollen. Der Rückstellgeschwindigkeit (Rebound) wird vom Hersteller als “auf Augenhöhe mit den Mitbewerbern” bezeichnet. Von der Verarbeitung her gibt es bei den Gummies nichts zu bemängeln. Sie sind sauber gegossen, haben keine Gussränder und wenn überhaupt nur kleine Bläschen ab der Oberfläche. Das haben wir von einigen Herstellern schon deutlich schlechter gesehen.

Verarbeitung und Preis: 5/5

Fahreigenschaften

Zunächst sind wir die Gummies in Double-Barrel-Konfiguration in einem Sabre CF Hanger gegen vergleichbare Härten von Venom, Sabre und Riptide APS Lenkgummis gefahren. Dabei fällt direkt auf, dass die Gummies im direkten Vergleich etwas härter ausfallen. Sie lassen die Achse recht linear einschlagen und geben viel Kontrolle mit einer stabilen Mitte. In harten Turns geben sie einem durch einen etwas geringeren Rebound als bei den Riptides viel Sicherheit. Mit den Gummies nimmt man jede “Zickigkeit” aus dem Setup, es reagiert präzise und lässt einen die Linie wie auf Schienen halten. Gehorsam bei Lenkimpulsen und zuverlässig bei der Ausführung.

Die weicheren Gummies haben wir in Bolzen auf einem Allrounder getestet. Der Rebound fällt auch auf diesem Setup gefühlt etwas geringer aus als bei den Sabres und den Riptides, so lassen sich z.B. Bolzen mit Standardlenkgummis eine Nuance besser Pumpen als mit 85 A Gummies. Dafür geben sie bei gleicher Härte deutlich mehr Kontrolle, was vor allem Einsteigern und Dancern gefallen dürfte, die auf nicht so viel Eigeninitiative der Achse stehen. Will man den Rebound einstufen, bietet sich als erstes der direkte Vergleich mit den Venoms an, wobei die Gummies etwas später zumachen.

Fahreigenschaften: 4/5

Haltbarkeit

Vielleicht ist es vermessen so früh schon etwas über die langfristige Haltbarkeit auszusagen, jedoch gibt es deutliche Indizien, dass diese tatsächlich besser ist, als bei den Mitbewerbern. Die Montage von “flanged washern” (z.B. Amish oder Slipstream) auf härteren Duros führt bei vielen Lenkgummis dazu, dass innen durch die scharfe Kante des Washers ein dünner PU-Ring herausgeschält wird. Die Gummies sehen dahingegen nach mehrfachem zusammenstecken und zerlegen wie neu aus. Auch andere scharfkantige Komponenten sowie rabiates und starkes (nichtsachgemäßes!) Anziehen konnten den Gummies ihre Widerstandsfähigkeit nicht austreiben.

Kurz vor Abschluss unseren Tests bekamen wir noch eine Rückmeldung von Marco, der intensive lange Strecken pumpend zurücklegt. Wenn das kein Benchmark für die Haltbarkeit ist:

"Der ursprüngliche Grund, warum ich von Venom auf Riptide gewechselt bin war, dass mir Venoms reihenweise gerissen bzw. zerbröselt sind, teils auch schon nach 20 - 30 km. Die Riptides hielten da deutlich besser. Seit Ende Juni fahre ich nun an all meinen Setups Gummies. Mehrere 100+ km Tagestrips, Regen, Staub, Salzwasser. Spitzenbelag am Fläming und rauher Beton an der holländischen Küste. Allein am Pump-Proto haben sie seither knapp 2000 km abgespult - ohne jegliche Anzeichen von Abnutzung. So muss das sein!"

Haltbarkeit: 5/5

Fazit

Die Sunrise Gummies haben ihr eigenes Eigenschaftsprofil und damit ihre Nische gefunden. Wer FatAnts mag und kontrolliertes Fahrgefühl gepaart mit einem guten Rebound sucht, wird bei den Gummies fündig. In wheelbiteanfälligen Setups machen die Gummies dem Theater ein Ende und sind eine schöne Alternative zu Elims oder Chubbys. Hier kann man eine Nummer härter wählen und den Punkt, an dem die Achse zumacht, bei schönem Lean präzise definieren. Sie funktionieren in Hangern mit offenem Lenkgummisitz besonders gut. Sehr restriktive Lenkgummisitze nehmen den Gummies ihre Agilität - hier sollte man sich trauen ruhig ein oder zwei Stufen weicher als gewohnt zu verbauen.

Wer Probleme mit Bushingfraß in seinem Setup hat, sollte die Gummies in Betracht ziehen. Ihre Widerstandsfähigkeit ist außerordentlich und kann hier dauerhaft Abhilfe schaffen. Reboundfetischisten, die maximalen Rebound suchen, sollten zu anderen Lenkgummis greifen. Beim Freeride bieten die Gummies ein sehr gutes Feedback bei angenehmer Kontrollierbarkeit. Die humane Preispolitk machen die Gummies attraktiv zum Experimentieren.

Als kleines Manko kann man im Augenblick die relativ große Abstufung von 5 A und das Fehlen von moderen Bauformen wie Chubby, Fat Cone o.ä. sehen. Wir hoffen, dass da in Kürze nachgelegt wird! In Deutschland entwickelt, in Europa gefertigt. Gute Sache und ökologischer als der dreimalige Versand um die ganze Welt - das finden wir gut. Für die grobe Abstufung und den geringfügig geringeren Rebound gegenüber den Riptides gibt es einen kleinen Punktabzug, ansonsten lautet unsere Empfehlung:

Auf jeden Fall ausprobieren!

Wie sind eure Erfahrungen mit den Sunrise Gummies? Schreibt uns hier: redaktion@lbmagaz.in!

Nachschlag

Auf Nachfrage bei Sunrise erhielten wir folgende Informationen: Weitere Bauformen oder Härten wird es erstmal nicht geben, dafür erscheint in den nächsten Tagen ein neuer Barrel Lenkgummi in 18 mm Höhe für Ronins, Bennetts etc. Je nachdem wie die Gummies vom Markt angenommen werden, wird jedoch darüber nachgedacht. Auf einem kleinen Markt wie in Deutschland sei eine feine Abstufung der Härtegrade (s. Riptide) und eine breite Produktpalette bei einer Markteinführung wirtschaftlich gesehen ein zu großes Risiko. Wir finden: Nachhaltig gedacht - der Kunde hat es in der Hand.

Text  

Friedrich Dungern | fd@lbmagaz.in

Fotos  

Friedrich Dungern | fd@lbmagaz.in

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